LVZ: Elsterstausee ade • nun beginnt die Entwicklung eines ruhigen Naturraumes

Elsterstausee

Stadtrat besiegelt endgßltiges Aus fßr ehemaliges Gewässer / Stadt beschäftigt nun eine Schäferin
Nun ist er Geschichte: Der Stadt­rat hat den seit vielen Jahren aus­ge­trockneten Elster­stau­see end­gĂźltig als Ge­wäs­ser be­erdigt. Das hat bei vielen „Kämpfern“, die sich mit BĂźrger­initia­tiven viele Jahre lang fĂźr den Erhalt einge­setzt haben, fĂźr Wehmut ge­sorgt. „Nach Gut­achten und anderen Hin­halte­taktiken ist aber der Punkt erreicht, dass der See wahr­haft nicht mehr zu retten ist“, konsta­tiert Rainer Engelmann (Linke). „Die Kosten mĂźssen als Tot­schlag­argument her­halten“, so Thomas Zeitler (CDU).

Hinter­grund: Rein geschätzt wären mehr als 4,16 Millionen Euro allein fĂźr die Instand­setzung der Dämme und der Sohle not­wendig. Deshalb wurde nun mit großer Mehr­heit beschlossen, das Areal als land- und forst­wirt­schaft­lich ge­prägten Natur- und Erholungs­raum zu ent­wickeln. Geplant ist, Teil­flächen zu be­weiden, andere der Natur selbst zu Ăźber­lassen. Das Areal wird auch als Reserve fĂźr die Futter­ver­sorgung der Wild­park­tiere genutzt. Eine Auf­fors­tung ist nicht vorge­sehen.

Dabei gĂśnnt sich die Stadt kĂźnftig sogar eine „eigene Schäferin“. Kerstin Doppel­stein, die mit etwa 600 Schafen und Ziegen unter anderem Flächen am Cospudener See sowie am ehe­maligen Stausee be­weidet, soll eine halbe Stelle be­kommen. Das haben die GrĂźnen durch­gesetzt. Wie berichtet, wollte Leipzigs bekann­teste Schäferin ihren Beruf an den Nagel hängen. So werden ihre mobilen Weide­zäune häufig zer­stĂśrt, Strom­geräte und Batterien ge­stohlen. BĂźrger machen ihr durch oft haltlose Eingaben bei den BehĂśrden ebenso das Leben schwer wie teil­weise Ăźber­triebene Vor­schriften. „Die Stadt hat aus Ăśko­logischer Sicht großen Nutzen durch die Be­weidung besagter Flächen. Da ist es folge­richtig, wenn man nicht billigend in Kauf nimmt, dass die Schäferin auf­grund vieler Probleme das Hand­tuch wirft“, so GrĂźnen-Stadtrat Michael Schmidt. Land­schafts­pflege und -unter­haltung sei schließ­lich eine Pflicht­aufgabe der Kommune.

Die GrĂźnen wollten fest­legen, natur­nahe Trimm-Dich-Angebote rund um den ehe­maligen Elster­stausee sowie Aus­sichts­punkte zur Tier­beobachtung zu schaffen. Sowie ein Konzept zu ent­wickeln, wie die kĂźnftig frei­werdenden Gebäude fĂźr Gastronomie, Umwelt­bildung oder Ferien­frei­zeiten genutzt werden kĂśnnen. Vor­ge­schlagen wurde ebenso der Ausbau eines natur­nahen Rad­weges zwischen ehe­maligem See und Elster zu ent­wickeln und diesen als Nord-SĂźd-Ver­bindung durch den Wald bis hin zum Lauerschen Weg zu fĂźhren. „Das wäre attraktiv fĂźr alle, die sich nicht den Cospudener Rund­weg entlang begeben, sondern mehr Ruhe und Natur genießen wollen“, so Schmidt. Das ging den anderen Fraktionen aber zum jetzigen Zeit­punkt zu weit. „Die Ideen sind zwar gut, gehen aber zu sehr ins Detail. Da sollen sich auch BĂźrger in die Debatte ein­bringen kĂśnnen“, so Jessica Heller (CDU).

Das Rat­haus muss nun klären, wie mit der Stau­anlage – ins­be­sondere dem am meisten be­schädigten West­damm – umge­gangen wird. Fragen, etwa ob die Folie unter der Teich­sohle liegen­bleiben kann, sind offen. Umwelt­bĂźrger­meister Heiko Rosenthal (Linke) prognosti­ziert die Kosten fĂźr die kĂźnftige Ent­wicklung des Areals auf etwa zwei Millionen Euro.

Quelle: LVZ 18.04.2017 Seite 14   â€˘  bzw. LVZ Facebook Beitrag | LVZ Fotostrecke

Der seit vielen Jahren ausgetrockneten Elsterstausee wird zum naturnahen Erholungsgebiet und Weideland. Kerstin Doppelstein, Leipzigs bekannteste Schäferin, erhält eine halbe Stelle.

Posted by LVZ Leipziger Volkszeitung on Montag, 17. April 2017